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Kameruner verwandelt alte Plastik-Flaschen in Fischerboote

Ismaël Essome Ebone kommt aus der Küstenstadt Kribi in Kamerun. Die zwei grössten Probleme in der Region, die vor allem von Fischerei und Tourismus lebt: Plastikverschmutzung und Armut. Mit seiner Nonprofit-Organisation «Madiba & Nature» will Ismaël beides in Angriff nehmen. Seine erste Lösung: Kanus aus alten Plastikflaschen.

Die Boote schwimmen perfekt.

Die Idee kam Ismaël 2011. Es regnete stark und die Strassen wurden schnell überflutet. Das lag vor anderem daran, dass die Abflusskanäle mit Plastikflaschen verstopft waren. Da musste Ismaël etwas unternehmen!

Er begann damit, in den Städten und Kanälen der Region PET-Flaschen zu sammeln. Bis er ungefähr 1’000 Stück hatte. Er schnürte sie zu Blöcken aus je 10 Flaschen und bastelte daraus innerhalb einer Woche ein seetüchtiges Boot.

Die Boote sind kein Spielzeug

Als er das erste Mal mit seinem «Ecoboat» aufs Meer hinaus wollte, lachten ihn die einheimischen Fischer aus. «Wohin willst du mit deinem Spielzeug? Das Meer wird es in Stücke reissen!», riefen sie ihm nach. Doch Ismaël ruderte weiter aufs Meer hinaus – ohne Schwimmweste. Er kam wohlbehalten zurück, das Boot hielt den Wellen stand. Ismaël hatte ab da den Respekt der Fischer auf sicher. Und fühlte sich bestätigt in seinem Unterfangen.

Ismaëls Boote sind viel günstiger als solche aus Holz.

Seither ist «Madiba & Nature» zu einem fünfköpfigen Team gewachsen. Ihre Boote ermöglichen es Dutzenden armen Menschen in Kamerun, der Fischerei nachzugehen. «Viele junge Leute würden gerne fischen, aber es ist zu teuer. Ein Kanu aus Holz kostet bis zu 750 Euro. Mit unseren Kanus können sie simpler Fischerei nachgehen», erklärt Ismaël der Newsagentur «AFP». Eines seiner Plastik-Kanus kostet rund 150 Euro und kann bis zu 270 Kilogramm tragen.

Ismaël ist es ausserdem wichtig, dass in einer Zeit von Klimawandel und immer grossflächigerer Abholzung nicht noch mehr Bäume für Kanus gefällt werden, wenn es doch eine nachhaltigere Alternative gibt.

Recycling muss gelernt werden

Ismaël will mit seiner Organisation nicht nur Boote herstellen, sondern die Kreislaufwirtschaft an sich fördern. Betten, Möbel, sogar Häuser stellen er und sein Team aus Plastikmüll her.

Ismaël will Kamerunern das Recycling näher bringen.

Recycling ist als Konzept noch neu in Kamerun. Obwohl zum Beispiel Plastiktüten seit 2014 verboten sind, halten sich besonders in ländlichen Gegenden nur wenige an die Regeln. Deshalb bietet «Madiba & Nature» auch immer wieder Kurse an, in denen sie anderen Kamerunern beibringen, für was man Plastik und anderen Abfall wiederverwenden kann. «Wir wollen den Menschen eine andere Art zu denken mitgeben und schlechte Angewohnheiten im Umgang mit Plastikmüll ändern», erklärt Ismaël.

Auf der Welt werden pro Minute rund eine Million Plastikflaschen verkauft. Angesichts dieser Tatsache sind Initiativen wie die von Ismaël ein guter Schritt, aus bereits hergestelltem Plastik Neues zu schaffen.

Alle Bilder: «Madiba & Nature»