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Weil er auf die Natur hört, gelingt diesem Schweizer Bauer in Brasilien Unglaubliches

In den 1980er Jahren hat Ernst Götsch im brasilianischen Piraí do Norte eine neue Heimat gefunden und kaufte dort 500 Hektar Land. Zu diesem Zeitpunkt war das Land ausgelaugt und aufgrund von Rodungen und intensiver Landwirtschaft unfruchtbar. Doch der heute knapp 70-Jährige fand darin seine Vision.

Das ist Ernst Götsch.

In der Vergangenheit arbeitete Ernst als Pflanzenzüchter und erkannte ein grundlegendes Problem schon früh. «Du bringst eine Sorte raus, resistent gegen die üblichen Krankheiten und Schädlinge, und in 2–3 Jahren kommen die ersten Einbrüche. Es fängt also an zu knacken im Gebälk. Nach 5–6 Jahren spätestens.»

Schliesslich begann er neben seiner eigentlichen Arbeit nach Lösungen zu suchen, um den Teufelskreis zu durchbrechen. Er erkannte: Die Umgebung muss den Pflanzen angepasst werden. Es bringt nichts, Pflanzen für eine künstliche, tote Umgebung zu züchten.

Ernst will zeigen, dass es wirksamer ist, mit der Natur zu arbeiten als gegen sie.

Der brasilianische Regenwald.

Ein neuer Lösungsansatz

Der Schweizer Bauer schaffte es, eine neue Methode zu entwickeln.  Mittlerweile hat diese schon einen wissenschaftlichen Namen bekommen: Sukzessionale Agroforstwirtschaft, kurz «Waldgarten». Hier wird die natürliche Sukzession mit Nutzpflanzen und Bäumen geschickt kombiniert. Kurz vor der Regenzeit wird der Boden aufgelockert und Samen für Pionierpflanzen, Pflanzen, welche den Boden verbessern, Büsche und erste Baumsamen, sowie schnell wachsende Gemüsepflanzen ausgestreut. Die Waldgartenmethode kombiniert den ersten Bewuchs geschickt mit passenden Nutzpflanzen. 

Die neue Methode scheint zu funktionieren.

Zudem fing Ernst an, regelmässig die Bäume zu stutzen. Denn das Stutzen regt das Wachstum der Pflanze an und funktioniert als natürlicher Dünger. Über den Ausstoss ihres Wachstumshormons Gibberellinsäure bringen sie die ganze Umgebung zum Spriessen.

Götschs Bemühungen schienen sich auszuzahlen. Ein Jahrzehnt später waren die Techniker des brasilianischen Instituts für Umwelt und erneuerbare natürliche Ressourcen (Ibama) in Salvador überrascht. Denn die gemachten Luftbilder zeigen nun einen dichten Wald, der eine hochproduktive landwirtschaftliche Fläche verbirgt.

Einheimische Bauern ziehen nach

Ernst, der anfangs von den Einheimischen noch «irrer Gringo» genannt wurde, hat mittlerweile den Namen «Papst des Agroforst.» Immer mehr Bauern übernehmen seine Methode und lassen sich von ihm beraten. Denn er schaffte es, Orangen, Bananen und Mangos auf einem Boden hochzuziehen, der als unfruchtbar galt. Seine Kakaoplantagen gelten als eine der produktivsten und hochwertigsten Brasiliens. Der organische Kakao, den er ohne Dünger oder Herbizide anbaut, verkauft er weit über dem Marktpreis nach Italien.

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Ernst beim Bäume stutzen.

Ein Problem hat Ernst bei der ganzen Sache jedoch noch. Die wachsenden Waldflächen kann er bald nicht mehr von Hand stutzen, dafür werden Maschinen gebraucht. Doch diese muss Ernst zuerst noch entwerfen. Doch von so einer ‚Kleinigkeit‘ lässt er sich selbstverständlich nicht unterbringen. An den Entwürfen tüftelt er bereits und im nahe gelegenen Bahía hat er auch schon einen Maschinenbauer gefunden, der ihm diese umsetzen kann.

Bilder: Instagram, Shutterstock, believe.earth, agendagotsch.com