fbpx

Die Milliardenindustrie mit dem Mineralwasser

Madonna, Jennifer Lopez, Beyoncé machen es vor – sie trinken nicht einfach nur normales Leitungswasser, sie trinken Voss, FIJI oder Vitaminwater. Doch weshalb boomt das Geschäft mit dem Luxuswasser so?

Beginnen wir mit einer einfachen Fragestellung – Wie viele Haushalte sind direkt an das Trinkwassernetz angeschlossen? In Deutschland liegt der Anteil der Haushalte, die einen direkten Zugang zur öffentlichen Wasserversorgung haben, bei über 99 Prozent. In der Schweiz ist die Quote fast identisch. Doch obwohl heute in vielen europäischen Ländern Leitungswasser zugänglich und qualitativ gut ist, weist die Mineralwasserindustrie ein Wachstum auf. Laut Statistik von «Verband Deutscher Mineralbrunnen» trank 2017 jeder Deutsche rund 145 Liter Mineralwasser.

Aber warum kaufen wir in Flaschen abgepacktes Wasser, obwohl wir es direkt vom Trinkhahn trinken könnten? 

Die Abfüllung von Mineralwasser erfolgt in Massenproduktion.

Wir werden von allen Seiten beeinflusst

Ob bekannte Gesichter uns spezielle Wassermarken schmackhaft machen oder im Fernsehen mit gesünderen und besseren Inhaltsstoffen geworben wird – raffinierte Marketingkampagnen versuchen uns etwas vorzugaukeln und unser Kaufverhalten zu beeinflussen. So werben die Hersteller vom Luxuswasser VOSS damit, dass das Wasser aus einem norwegischen Gletscher entspringt. Das Design, das vom Chef-Designer von Calvin Klein entworfen wurde, rundet das Bild nochmals ab. So wird aus Wasser Luxus und Lifestyle.

Dabei ist das Leitungswasser in der westlichen Welt qualitativ gleichwertig wie gekauftes Mineralwasser aus Flaschen. Dies bestätigte 2016 auch die Stiftung Warentest: «Mineralstoffe im Mineralwasser sind ein Mythos.» Bei den Tests hat das abgepackte Wasser also kaum eine bessere Bilanz gezeigt, als normales Leitungswasser. Laut Experten, decken wir den nötigen Mineralstoffbedarf ohnehin bereits über unsere Nahrung ab. Dennoch schaffen es digitale Medien und Co. ein völlig anderes Bild zu vermitteln.

Multinationale Konzerne beherrschen Weltmarkt

Durch multinationale Konzerne ist Wasser zu einem Handelsgut geworden. Die vermeintlichen «Unique Selling Propositions» erlauben es den Herstellern die Mineralwässer zu einem dekadenten Preis zu verkaufen. 0.5 Liter vom VOSS-Wasser werden beispielsweise für stolze 1.80 Euro angeboten.

Unternehmen sehen aber nicht nur im Preis hohes Potenzial, sondern wissen auch, dass das Wasser in einigen Jahren ein knappes Gut werden könnte. Indem Nestlé Wasserrechte von staatlichen Wasserbehörden kauft, erlangt der Konzern Zugang zu Wasserquellen. Der für das Geschäft zuständige Bereich «Nestlé Waters» hat 95 Produktionsstandorte in 34 Ländern. Durch die breitgefächerte Präsenz hat der Konzern auch mit entsprechend viel Kritik zu kämpfen. Da das Wasser in Ländern wie Äthiopien ohnehin schon knapp ist, pumpt Nestlé es ab und verdient Geld damit – so die Kritiker. Hinzu kommt, dass der einheimischen Bevölkerung der Zugang verwehrt wird, was erhebliche Konsequenzen für sie und ihre Landwirtschaft hat.

In vielen Ländern ein knappes Gut.

Und es wird noch absurder…

Zum Fakt, dass die einheimische Bevölkerung um ihre Wasserrechte kämpfen muss, kommt der unwahrscheinlich weite Transportweg. Die Transportfirma Trivarga lässt das FIJI-Wasser beispielsweise rund 22’000 Kilometer von den Fidschi-Inseln nach Grossbritannien verschiffen, um es schliesslich per Lastwagen nach Deutschland oder in die Schweiz zu befördern.

Der Transport einer Flasche verursache rund 12’000-mal mehr CO2 als dieselbe Menge Hahnenwasser, rechnet die Alpenschutz-Initiative vor. Im Hinblick darauf, dass die Fidschi-Inseln aufgrund des Klimawandels vom Versinken bedroht sind, enthält dies eine gewisse Ironie.

Um die Umwelt zu schonen sollte man, wenn möglich, also zu Leitungswasser greifen oder beim Einkauf zumindest darauf achten, lokale Mineralwasser-Hersteller zu wählen. So können die immensen Emissionen, die beim Transport anfallen, verhindert werden.

Bilder: Shutterstock