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Deutsche Technologie soll das massenhafte Schreddern von Küken stoppen

Eintagsküken. So nennt man Küken in der Geflügelzucht, die nicht älter als einen Tag sind. In Deutschland werden jeden Tag 120’000 Küken lebendig zerschreddert oder vergast. Das sind ca. 45 Millionen im Jahr. Eine neue Technologie soll diese herzlose Praktik stoppen. 

Warum werden so viele Küken zerschreddert?

In der Geflügelproduktion werden zwei Arten von Hühnern gezüchtet. Die Broiler sind Masthühner. Sie setzen schnell Fleisch an, legen dafür nicht so viele Eier. Die Legehühner legen, wie es der Name schon sagt, besonders viele Eier, setzen aber nicht so viel Fleisch an. 

Beide Hühner sind am gleichen Tag geschlüpft. Nach 34 Tagen ist das Masthuhn (r.) viel grösser.

Männliche Küken aus der Linie der Legehühner sind aus wirtschaftlicher Sicht nicht rentabel. Sie legen keine Eier und werden kaum Fleisch ansetzen. Deshalb töten die Betriebe sie kurz nach der Geburt. 

Getötet werden die Küken mit einem grossen Schredder oder durch Ersticken. Bei Letzterem werden einige Hundert Küken in einen Behälter gesteckt und danach CO2 in den Behälter geleitet. 

So sterben pro Tag ca. 7 Millionen Küken weltweit. 

Eine Kükenschreddermaschine.

Wer sehen möchte, wie schlimm die geschredderten Küken aussehen, kann hier klicken: (Wikipedia)

Wird sich etwas ändern?

Diverse Startup-Firmen und Universitäten arbeiten an Möglichkeiten, das Geschlecht eines Kükens bereits im Ei bestimmen kann. An der Universität Leiden in den Niederlanden arbeitet InOvo an einem Gerät, dass nach etwa der Hälfte der Ausbrütungszeit das Geschlecht bestimmen kann.

In Israel arbeitet EggXYt an einer Ultraschall-Technik, die sogar am selben Tag, an dem das Ei gelegt wurde, bereits das Geschlecht herausfinden kann.

In Deutschland hat die Universität Leipzig eine Methode entwickelt, die durch ein nadelspitzen-winziges Loch im Ei das Geschlecht noch vor dem Ausbrüten erkennen kann. 

Ministerin Julia Klöckner.

Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) sagt in einer Pressemitteilung: «Mit diesem Verfahren gibt es für das Töten der männlichen Legehennenküken auf Dauer keine Rechtfertigung mehr». Fünf Millionen Euro wurden vom Ministerium in die Forschung investiert. Deutschland möchte das erste Land sein, das aus dem Kükentöten aussteigen wird. 

Bei 223 Berliner Supermärkten von Rewe und Penny gibt es jetzt solche Eier zu kaufen. Sie kosten aber etwas mehr als normale Eier. 

Wirtschaftlich sinnvoll

Nicht nur ethisch ist das massenweise Töten der Tiere ein Problem. Es ist auch teuer. Denn um das Geschlecht eines Kükens direkt nach der Geburt bestimmen zu können, braucht es gut geschultes Personal. 

Könnte man das Geschlecht schon vor dem Ausbrüten bestimmen, würde das den Geflügelproduzenten viel Geld sparen. Für kleine Betriebe werden die Maschinen wohl zu teuer sein. Sie werden wie bisher die getöteten Küken an Zoos verkaufen, wo sie als Reptilienfutter dienen. 

Gut, dass Veränderung in Aussicht ist. Das Millionenfache Zerschreddern von Küken darf nicht eine Lösung sein, mit der wir Menschen uns wohl fühlen können. 

Bilder: Pixabay, KAGFreiland CC 3.0, Shpernik088 CC 4.0, Olaf Kosinsky CC 3.0