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Weniger Fleisch zu essen ist der beste Neujahrsvorsatz, um der Erde zu helfen

Wenn du dir für das Jahr 2019 etwas vornehmen willst, das nicht nur dein eigenes Leben besser machen soll, dann haben wir einen einfachen Vorschlag: Iss weniger Fleisch. Vor allem Rind. Es gibt wenig, was eine einzelne Person tun kann, das unserem Planeten mehr hilft.

Warum ist rotes Fleisch so schädlich?

Die Fleischindustrie hat einen grossen Einfluss auf unsere Umwelt. Sie fördert den Klimawandel durch enorme Mengen an Treibhausgasen, die in die Atmosphäre gelangen. Sie sorgt für das Artensterben von immer mehr Tierarten. Und sie bedroht auch unsere Gewässer.

Rindfleisch ist viel schädlicher als Schweinefleisch oder Geflügel.

Es ist nicht nur die eine Kuh

Die fünf grössten Fleisch- und Milchproduzenten verursachen mehr Treibhausemissionen als Öl-Multis wie Shell oder BP. Viele mögen jetzt das bekannte Bild der Methan-rülpsenden Kuh im Kopf haben. Aber es geht um viel mehr. Damit die Kuh gefüttert werden kann, braucht sie (viel) Futter. Damit dieses Futter produziert werden kann, werden riesige Flächen abgeholzt. Weniger Bäume heisst weniger Filter für CO2 und weniger Lebensraum für wilde Tiere. Damit das Futter wächst, braucht es Dünger. Dieser kann besonders für die Meere schädlich sein, aber dazu später mehr. Diese ganze Kette muss in der Klimarechnung einbezogen werden. Es ist nicht nur eine einzelne Kuh.

Das Futter für Nutztiere muss in der Klima-Rechnung miteinbezogen werden.

Das grosse Problem der Fleischwirtschaft ist im Grunde ihre Ineffizient. 83 Prozent des global von der Landwirtschaft genutzten Bodens wird für Fleisch und Milchprodukte verwendet. Im Gegenzug bringt sie uns aber nur etwa 18 Prozent der Kalorien der weltweiten Ernährung.

Joseph Poore, Umweltforscher an der Universität Oxford, sagt es prägnant: «Futter in Fleisch umzuwandeln, ist wie aus Kohle Energie zu gewinnen. Es sorgt für immens hohe Emissionen.»

Poore war federführend bei der bislang ausführlichsten Studie zum Einfluss der Landwirtschaft auf unseren Planeten. Die Studie behandelt 40’000 Farmen in 119 Ländern und Lebensmittel, die 90 Prozent von dem ausmachen, was wir essen. Die Studie wurde im Journal «Science» veröffentlicht. Hier kannst du sie lesen.

«Futter in Fleisch umzuwandeln, ist etwa so effizient, wie aus Kohle Energie zu gewinnen»

Joseph Poore, Universität Oxford
Weniger Fleisch essen
Wälder wie dieser hier in Brasilien werden abgeholzt, um für Kühe Platz zu machen.

Lebensräume in Gefahr

Wir erleben gerade ein Artensterben, wie es Jahrhunderte lang keines gab. In einer Studie aus dem Jahr 2017 konstatieren Forscher, dass über die Hälfte der bekannten Tierarten in den letzten Jahrzehnten Verluste beklagen mussten. Besonders hart trifft es Landsäugetiere. 96 Prozent aller Säugetiere auf der Welt sind entweder Menschen oder Tiere, die für den Konsum durch Menschen gezüchtet werden. Wilde Tiere machen gerade mal vier Prozent aus.

Der Verlust von Lebensraum aufgrund der Landwirtschaft ist für viele Tiere die grösste Bedrohung überhaupt. Aber auch die Nebenprodukte der Landwirtschaft können schädlich sein. Da wären wir wieder beim Dünger. Dünger und Gülle, die ins Abwasser fliessen, können erhebliche Schäden in den Seen und Meeren anrichten. Wie der «Guardian» schreibt, entstand 2017 im Golf von Mexiko eine «tote Zone» in der Grösse des Bundesstaats New Jersey.

Eine tote Zone ist ein Gebiet eines Gewässers, in dem es zu wenig Sauerstoff für Tiere gibt. Sie entstehen, wenn Dünger und Gülle in grossen Massen ins Wasser fliessen und dadurch ein übermässiges Wachstum von Algen vorangetrieben wird. Sterben diese Algen ab, werden sie von Bakterien zersetzt. Dadurch wird dem Wasser Sauerstoff entzogen und die darin lebenden Tiere sterben. Oder schwimmen weg.

Sauerstoffmangel im Wasser führt dazu, dass Fische entweder verschwinden oder sterben.

Darf ich jetzt gar kein Fleisch mehr essen und keine Milch trinken?

Shefali Sharma vom amerikanischen Institut für Landwirtschaft und Handelspolitik (IATP) hat in einer anderen Studie den Einfluss der Fleischindustrie aufs Klima untersucht und beantwortet diese Frage so: «Wir sagen nicht, dass ihr kein Fleisch mehr essen dürft. Es geht um das Ausmass des Konsums und die Art der Produktion. Das Problem ist diese industrielle Produktion, in der es nur darum geht, möglichst viel billiges Fleisch zu produzieren und alle externen Faktoren, wie der Einfluss auf die Umwelt, missachtet werden.»

Kurz zusammengefasst: Iss weniger rotes Fleisch. Rindfleisch ist um ein Vielfaches schlimmer für die Umwelt als zum Beispiel Geflügel. Professor Tim Benton von der Universität Leeds hält fest: «Die grösste Veränderung, die ein einzelner machen kann, ist es nicht, sein Auto aufzugeben. Sondern viel weniger rotes Fleisch zu essen.»

Alle Bilder: Shutterstock