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Das sind die Fahrrad-Friedhöfe von China

China erlebt gerade einen absurden Bikesharing-Boom. Anbieter wie Mobike, Ofo und Bluegogo stellen Abertausende Fahrräder in Grossstädten auf.

Ihre Absicht ist es, Fahrräder in den Städten anzubieten, die man für wenig Geld ausleihen und nach Gebrauch an einem beliebigen Ort wieder abstellen kann. Das klingt erst wie eine gute Idee, doch es kam anders. Der Markt wurde komplett übersättigt, wie man mühelos auf dem folgenden Video erkennen kann. 

Drohnenaufnahmen der Fahrrad-Friedhöfe.

Wie kam es dazu?

Solche riesigen Fahrraddeponien mit gepfändeten und verlassenen Leihrädern gehören mittlerweile zum Stadtbild vieler chinesischer Städte. Denn damit das Geschäftsmodell dieser Firmen funktioniert, müssen möglichst viele Kunden möglichst viele Fahrräder benutzen. Also haben sich die Anbieterfirmen eine einfache Taktik überlegt: So viele Fahrräder wie nur möglich in den Städten verteilen, damit man gar nicht mehr um sie rumkommt. Knallige Farben sollen sie einfach zu finden machen.

Hinzu kommt, dass die Anbieter durch potente Geldgeber gestärkt werden, welche zusätzlich die Produktion ankurbeln. Das massenhafte Angebot und die Überinvestitionen tragen die Hauptschuld am Entstehen der Velo-Friedhöfe.

Ein bisschen Ordnung muss dann aber trotzdem noch sein: Die Fahrräder werden farblich nach Anbieter sortiert.

Der Konkurrenzkampf ist hart

Experten schätzen, dass sich lediglich ein Sechstel der Anbieter im Wettbewerb langfristig durchsetzen können. Dass die Prognose auf längere Zeit durchaus plausibel ist, erkennt man an der rückgängigen Zahl der Anbieter.

So ist die Zahl der Bikesharing-Firmen von anfänglich 70 auf 20 geschrumpft. Die spottbilligen Preise und lockeren Geschäftsbedingungen erschweren den Anbietern zusätzlich den Überlebenskampf.

Die Schrottberge häufen sich.

Herausforderungen und Chancen

Grundsätzlich hat die Idee von einer flexiblen Ausleih- und Rückgabemöglichkeit von Fahrrädern durchaus Potenzial. Es ist eine umweltfreundliche Alternative zum Auto und den öffentlichen Verkehrsmitteln. Und auch für die Kunden ist das Modell erst einmal grossartig. Einfach die App herunterladen, anmelden, online eine Gebühr hinterlegen, das Fahrrad per GPS finden, einen Code scannen und losfahren.

Laut Studien fahren ganze 55 Prozent der Stadtbewohner weniger mit dem Auto und auch die Nutzung von Motorrädern hat sich um stolze 53 Prozent reduziert. Gerade bei den chinesischen Grossstädten, bei welchen die CO2-Emissionen hoch sind, hat diese Umstellung einen enormen Effekt.

Die Regierung beschäftigt sich aktuell mit möglichen Massnahmen. So wird beispielsweise über Einschränkungen der Abstellorte diskutiert, um überfüllte Strassen und ungünstige Blockaden zu vermeiden.

Bilder: Shutterstock