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Recycling ist nicht die Lösung des Plastik-Problems

Jahrelang wurde uns eingetrichtert, dass das Plastik-Problem einfach gelöst werden kann. Es muss nur jeder mithelfen und recyceln. Den Abfall richtig trennen, PET-Flaschen am richtigen Ort einwerfen und die Menschen in der Sammelstelle sortieren das dann alles richtig ein und lassen den Müll verschwinden. Aber Vorsicht, dem ist nicht so!

Plastik ist nie «weg»

Die Plastik-Verpackung der Bio-Gurke, die halbleere Chipspackung, die PET-Flasche – wir benutzten sie kurz und werfen sie dann weg. Aber wirklich «weg» ist sie deswegen nicht. Eine PET-Flasche zum Beispiel braucht schätzungsweise 450 Jahre, bis sie zerfällt. Selbst wenn wir korrekt recyceln, verschwindet der Plastik nicht plötzlich. Er wird früher oder später die Natur verschmutzen – in irgendeiner Form. Denn ein Grossteil des eigentlich recycelbaren Plastiks nicht wieder für Verpackungen verwendet wird. Er wird zu Taschen, Plastik-Stühlen oder Jacken gemacht, die dann schlussendlich trotzdem ihre ewige Ruhe auf einer Deponie finden.

Recycling
Oft landet Plastik auf der Deponie.

Aber erstmal muss der Plastik im Recycling-Prozess aufgenommen werden. In Europa landet laut «Bloomberg» etwa 70 Prozent des potenziell recycelbaren Plastiks auf Müllkippen. In den USA liegt der Prozentsatz sogar bei 91 Prozent. Und das trotz diverser Bestrebungen, Müll-Trennung einfacher zu gestalten. In der Schweiz beispielsweise stehen seit 2014 an grösseren Bahnhöfen Abfall-Container, in denen Pendler PET, Aluminium und Papier separat entsorgen können. Wie es dazu kommt? Oftmals heisst das Problem Recycling-Kontamination.

In Europa landet etwa 70 Prozent des potenziell recycelbaren Plastiks auf Müllkippen.

Bloomberg

Was ist Recycling-Kontamination?

Von Kontamination spricht man im Recycling dann, wenn Stoffe ein einen Recycling-Kreislauf kommen, die dort nicht hingehören. Ein einfaches Beispiel ist eine Pizzaschachtel, in der noch Essensreste sind. Oder ein Plastik-Sack in der Altpapiersammlung. Obwohl der Plastik-Sack vielleicht auch recycelbar wäre, wird er direkt zur Verbrennung oder auf eine Mülldeponie geschickt. Da Recycling auch ein Geschäft ist, lohnt sich der Mehraufwand nicht, den Sack nochmal extra zu sortieren. Besonders seit China keine Abfall-Exporte aus dem Ausland mehr annimmt.

Sind Lebensmittel am Plastik, ist er kontaminiert.

Der Abfallforscher Rainer Bunge sagt zum Schweizer «Beobachter»: «Das Recycling von gemischtem Plastik hat einen sehr geringen ökologischen Nutzen, kostet aber sehr viel.» Auch das private Sammeln von Plastik lohne sich nicht wirklich. Eine Person, die ein Jahr lang Plastik sammle, habe etwa den gleichen Impact, wie wenn jemand auf ein einzelnes Steak verzichtet.

Das soll alles nicht heissen, dass man sich beim Recycling keine Mühe mehr geben soll. Aber die Illusion, dass damit die Tonnen an Plastik stoppen, die jährlich in unsere Meere fliessen, ist falsch. Recycling ist keine Lösung, sondern nur ein Hinauszögern.

Eine Person, die ein Jahr lang Plastik sammelt, hat etwa den gleichen Impact, wie wenn eine Person auf ein einzelnes Steak verzichtet.

Rainer Bunge – Abfallforscher

Das Problem an der Wurzel packen

Die Lösung für die Plastik-Überflutung kann nur sein, das Problem an der Wurzel zu packen. Bei der Produktion von neuem Plastik. Getränkehersteller produzieren bis zu 500 Milliarden neue Plastikflaschen im Jahr. Solange die Flut an neuem Plastik nicht grossflächig eingedämmt wird, werden auch die Meere weiterhin damit vollgespült. Solche Szenen werden wir wohl immer häufiger sehen:

youtube/parleychannel

Wir müssen das Leck im sinkenden Schiff stoppen, denn nur das herausschöpfen von Wasser mit einem Eimer wird uns nicht retten. 

Bilder: Shutterstock, Pixabay, Cezary_P CC4.0