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Dieser Reis soll Tausende Kinder vor Mangelernährung retten

Die Unterversorgung mit Vitamin A ist eines der meistverbreiteten Gesundheitsproblemen auf der ganzen Welt. Forscher versuchen seit rund 20 Jahren, diesen Mangel mit dem sogenannten «Golden Rice» zu bekämpfen.

Vitamin A gehört für uns Menschen zu den essenziellen und unentbehrlichen Nährstoffen, da es der Körper nicht selber herstellen kann. Gerade in Entwicklungsländern ist das in vielen Obst- und Gemüsesorten enthaltene Vitamin knapp. Folgen einer unzureichenden Zufuhr sind Augenerkrankungen bis hin zur Erblindung, ein geschwächtes Immunsystem, Durchfall und Hörstörungen. In Entwicklungsländer kommen oft schon Babys mit einem Defizit zur Welt, da der Mangel von der Mutter auf das Kind weitergegeben wird. 

Das Potenzial des Golden Rice ist gross.

Nach Schätzungen der WHO leiden weltweit rund 250 Millionen Kinder im Vorschulalter an Vitamin-A-Mangel. Bis zu 500’000 erblinden jedes Jahr. Etwa die Hälfte von ihnen stirbt innerhalb eines Jahres nach der Erblindung.

Eine Erfindung aus Europa

Da die Menschen in Entwicklungsländern über wenig bis keine Vitamin A reiche Lebensmittel verfügen, kamen eine internationale Arbeitsgruppe, geführt von Ingo Potrykus, Professor an der ETH Zürich, und Peter Beyer, Professor an der Universität Freiburg, auf die Idee das seltene Vitamin mithilfe der Gentechnik einem Grundnahrungsmittel hinzuzufügen. Und somit wären wir beim Golden Rice angelangt.

 Ingo Potrykus (links) und Peter Beyer, die Erfinder des Golden Rice  (Foto: goldenrice.org)
Die Erfinder des Golden Rice: Ingo Potrykus (links) und Peter Beyer (rechts).

Der für die Bildung von Vitamin A wichtigste Stoff, also der Inhaltstoff der als gesundheitsfördernd gilt und dem Obst oder Gemüse seine gelbe bis rötliche Farbe verleiht, ist das ß-Carotin. Da Reis jedoch nicht von sich aus das ß-Carotin produziert, muss er gentechnisch verändert werden. So entziehen die Forscher jeweils ein Gen aus der Narzisse und eines aus einem Bakterium, um den entsprechenden Biosyntheseweg aufzubauen. Der Reis erhält so schliesslich seine gelbe Farbe.

Damit der Reis aber einen genügenden Carotin-Gehalt aufweisen kann, muss er erneut gentechnisch verändert werden. Das aus der Narzisse stammende Gen wird beim zweiten Mal durch ein Gen aus dem Mais ersetzt. Und erst nach diesem Vorgang kann mit einer durchschnittlichen Ration der Tagesbedarf an Vitamin A, von Menschen gedeckt werden. 

 12-jähriges Mädchen, erblindet wegen Vitamin-A-Mangel  (Foto: Community Eye Health)
Die Erblindung ist eine häufige Folge des Vitamin-A-Mangels.

Die Wunderwaffe bringt dennoch Mängel mit sich

Ein grosser Nachteil des Golden Rice ist, dass er sich per Pollenflug weiterverbreitet und sich mit konventionellen Reissorten kreuzen kann. Das Risiko der Verunreinigung von einem Grundnahrungsmittel darf nicht in Kauf genommen werden. Denn sobald die Gene einmal ausgesetzt sind, können sie nicht mehr zurückgeholt werden.

Auch sind bis zum heutigen Tag keine Studien in Bezug auf mögliche  gesundheitliche Folgen verfügbar. Im Jahr 2012 testeten die Unterstützer des Goldenen-Reis-Projekts die Körner an chinesischen Schulkindern – unter Ausschluss der Öffentlichkeit und jeglicher vorherigen Fütterungsversuchen an Tieren. Verständlicherweise führen Aktionen wie diese zunehmend zu geteilten Meinungen.

Geht es nur um den Profit?

Gemäss Entwickler soll das Produkt nicht kommerziellen Anreizen dienen, sondern gezielt zu Hilfszwecken für die lokale Bevölkerung hergestellt werden. So sollen alle Kleinbauern in den entsprechenden Gebieten mit einem Jahresumsatz von bis zu 10’000 US-Dollar die Golden-Rice-Saatgut kostenlos erhalten. Alle anderen Bauern müssen allerdings eine jährliche Gebühr für das gezüchtete Saatgut entrichten.

Und dies ist wiederum ein gefundenes Fressen für Kritiker. Sie argumentieren hier, dass traditionell gezüchtetes Saatgut eine zu kleine Nachfrage generieren und den Bauern jegliche Chance genommen wird, sich aus Abhängigkeiten und Schulden zu befreien. Aufgrund dieser Tatsache soll für die Agro-Gentechnik-Konzerne nach wie vor der Profit im Mittelpunkt stehen und nicht die Bekämpfung des weltweiten Hungers.

100 Nobelpreisträger forderten im Jahr 2016 jedoch, dass das Projekt weitergeführt werden soll. Australien und Neuseeland haben Golden Rice inzwischen als Nahrungsmittel zugelassen. In den Philippinen und in Bangladesh sind Tests im Gange.

 Bilder: Shutterstock, nikwalter.ch, International Rice Research Institute (IRRI) {cc-by-2.0}